Regionale Biotopverbund-Praxisplattform
Mit der Änderung des Bayerischen Naturschutzgesetzes 2019 wurde in Art. 19 BayNatSchG die Zielsetzung festgelegt, dass der Biotopverbund in Bayern bis zum Jahr 2030 15 % des Offenlandes umfassen soll. Nach heutigem Stand (August 2022) liegt der Anteil des Offenland-Biotopverbunds bei knapp unter 10 %.
Die Ausweitung des Biotopverbunds auf 15 % der bayerischen Offenlandfläche ist allerdings eine enorme Herausforderung, sowohl quantitativ als auch qualitativ. Diese Aufgabe kann nur mit Hilfe von Grundstückseigentümern außerhalb der Naturschutzverwaltung, Landnutzern und weiteren Partnern erfolgreich umgesetzt werden.
Die Ausweitung der Verbundstrukturen und damit die Entwicklung von Methoden zur kooperativen Zusammenarbeit mit Flächeneigentümern ist somit ein maßgeblicher Aufgabenbestandteil. Als Basis gilt die Umsetzungsstrategie des Bayerischen Staatsministeriums für Umwelt und Verbraucherschutz (StMUV). Es fehlen jedoch noch entsprechende Grundlagen für eine Transformation der Strategie auf die Umsetzungsebene sowie eine langfristig erfolgreiche Flächenakquise.
Das Bayerische Artenschutzzentrum (BayAZ) ist derzeit mit der Akquise neuer Flächeneinheiten von Zielgruppen beschäftigt, bei denen ein hohes Flächenpotenzial auf überregionaler bis landesweiter Ebene zu erwarten ist (z.B. große Unternehmen, Kirchen, etc.). Ein lokaler bis regionaler Ansatz, Biotopverbundflächen mit individuellen rechtlichen Sicherungen in den Biotopverbund zu integrieren, wurde bislang nicht berücksichtigt. Dabei ist die Fachkomponente „funktionaler Zusammenhang“ ein zentraler Bestandteil, der in besonderem Maße berücksichtig werden soll.
Aus diesem Grund soll das Vorhaben „Regionale Biotopverbund-Praxisplattform“ als Plattform zur Erprobung der Praxisumsetzung und beispielhaften Bearbeitung landesweiter grundsätzlicher Fragestellungen zum Biotopverbund dienen. Das betrifft grundsätzliche Fachfragen, beispielsweise über regionale Ziel- bzw. Mindestgrößen für den Verbund und seiner einzelnen Elemente im regionalen Kontext (Kerngebiete und Trittsteine), sowie konkrete Problemstellungen hinsichtlich der Sicherung von potenziellen Biotopverbundflächen und Detailfragen hinsichtlich des Datenschutzes bei der Akquise.
Das Vorhaben soll daher entsprechende Lösungswege erarbeiten und u.a. ein breites Portfolio – einen Werkzeugkasten – an rechtlichen Sicherungsmöglichkeiten für Biotopverbundflächen erstellen. Das beinhaltet auch das Aufzeigen und Erproben einer effektiven Akquise von potentiellen Biotopverbundflächen mit einzelnen Akteuren wie Privateigentümer, Kommunen, Unternehmen u.a. über einen auf die verschiedensten Biodiversitätsziele ausgerichteten ganzheitlichen und interdisziplinären Ansatz. Gleichzeitig sollen aber auch essentielle Bausteine einer bereits vorhandenen und erfolgreichen regionalen Biotopverbundumsetzung für die Ausweitung des Biotopverbunds in Bayern herangezogen und in einer Praxisanleitung weiteren potentiellen Biotopverbund-Partnern bereitgestellt werden.
Die Bündelung der Kompetenzen der bayerischen Naturschutzverwaltung sowie erfahrenen, regionalen Biotopverbundspezialisten und –umsetzern ist unabdingbar und dringend notwendig. Vorhandene Biotopverbund-Erfolgsrezepte nutzen, darauf aufbauen und vor allem draus lernen - nur so lassen sich die Flächen- und Qualitätsziele für den bayerischen Biotopverbund realisieren.
Die Ergebnisse des Vorhabens werden als Best-Practice-Beispiele aufbereitet, die als Multiplikatoren eine wesentliche Bedeutung haben werden, weitere Flächenbesitzer und regionale Akteure in Bayern für Vorhaben zur Ausweitung des Biotopverbunds zu gewinnen und damit neue Flächeneinheiten für den Biotopverbund zu schaffen.
Das Vorhaben ist damit ein Baustein, um die im Art. 19 des BayNatSchG definierten Ziele zur Ausweitung des Biotopverbunds in Bayern zu erreichen.