Der im Februar 2020 gegründete Zweckverband Region Finowkanal (ZRF) beabsichtigt die Übernahme der zwölf Schleusen des Finowkanals vom bisherigen Eigentümer Bund. Zielstellung des Verbandes ist die Sicherung der dauerhaften Schiffbarkeit des Finowkanals für den motorisierten und muskelbetriebenen Bootsverkehr und die wassertouristische Entwicklung der Gesamtregion.
Die Übernahme der Schleusen erfolgt auf der Grundlage einer Finanzierungsvereinbarung zwischen dem Bund, vertreten durch die Generaldirektion Wasserstraßen und Schifffahrt (GDWS) und dem ZRF in folgenden zwei Schleusenpaketen:
- Schleusenpaket 1 (SP1):
Schleusen Ruhlsdorf, Leesenbrück, Grafenbrück, Schöpfurt, Heegermühle; Wolfswinkel
- Schleusenpaket 2 (SP2):
Schleusen Drahthammer, Kupferhammer, Eberswalde, Ragöse, Stecher und Liepe
Das SP 1 befindet sich aktuell in der Prüfung durch die betreffenden Genehmigungs- bzw. Erlaubnisbehörden. Der Baubeginn ist im IV Quartal 2022 und die Fertigstellung für 05/2025 geplant.
Die Beschaffungsmaßnahme umfasst Generalplanungsleistungen für Grundinstandsetzungs- und Modernisierungsmaßnahmen an den Finowkanalschleusen des SP 2, welches folgende Schleusen umfasst:
- Schleuse Drahthammer, Finowkanal-km: 73,9; Baujahr 1877; Sanierungsjahr 1933,
- Schleuse Kupferhammer, Finowkanal-km 75,9; Baujahr 1875; Sanierungsjahr 1930,
- Schleuse Eberswalde, Finowkanal-km 77,9; Baujahr 1831; Sanierungsjahr 2001,
- Schleuse Ragöse, Finowkanal-km 81,0; Baujahr 1875; Sanierungsjahr 1930,
- Schleuse Stecher, Finowkanal-km 84,4; Baujahr 1877; Sanierungsjahr 1930,
- Schleuse Liepe, Finowkanal-km 88,9; Baujahr 1874; Sanierungsjahr 1930.
Die handbetriebenen Schleusen wurden als doppelbreite Kammerschleusen errichtet und haben eine Kammerlänge von rd. 41,50 m, eine lichte Durchfahrtsbreite von rd. 9,60 m und überwinden Fallhöhen zwischen 2,30 m bis 4,20 m.
Die Bauwerkszustände gemäß der letzten Bauwerksprüfungen bzw. - überwachungen sind aus den Anlagen 1 bis 6 der Aufgabenbeschreibung zu entnehmen.
Bis auf die Schleuse Eberswalde, welche im Jahr 2001 grundinstandgesetzt wurde, besteht bei allen anderen Schleusen ein vordringlicher Grundinstandsetzungsbedarf, welcher für diese fünf Schleusen entsprechend zu planen ist.
Für die Schleuse Eberswalde ist demgegenüber nur der bestehende Instandhaltungsbedarf zu ermitteln. Zudem sollen im
Zuge der Baumaßnahmen alle sechs, bisher manuell betriebenen o.g. Schleusen, mit elektrischen Antrieben für den automatisierten, selbstbedienten Betrieb mit Fernüberwachung ausgerüstet werden.
Im Rahmen der Generalplanungsleistung ist vorrangig zu beachten, dass der Finowkanal mit seinen wasserbaulichen Anlagen, wozu auch die Schleusenbauwerke gehören, in seiner Gesamtheit unter Denkmalschutz steht. Die Prüfung aller denkmalschutzrelevanten Belange hat daher im Rahmen der zu vergebenden Leistungen eine besondere Priorität und ist Planungsbestandteil.
Die Generalplanungsleistung beinhaltet die erforderlichen Planungsgrundleistungen der Leistungsbilder der HOAI 2021 Lph. 1 bis 9 einschließlich Besondere Leistungen der Objekt- und Fachplanung und weitere Fachplanungs- und Beratungsleistungen einschließlich Besondere Leistungen gemäß Anlage 1, HOAI 2021 sowie Leistungen nach Baustellenverordnung (siehe auch Auftragsbekanntmachung Pkt. II.2.4, Beschreibung der Beschaffung).
A: Die Generalplanungsleistung beinhaltet die erforderlichen Planungsleistungen der Leistungsbilder der HOAI 2021 wie folgt:
Objektplanung gemäß §§ 34; 39; 43; 47 HOAI
- Gebäude
- Freianlagen
- Ingenieurbauwerke
- Verkehrsanlagen
Fachplanung gemäß §§ 51; 55 HOAI
- Tragwerk
- Technische Ausrüstung
Fachplanungs- und Beratungsleistung gemäß Anlage 1, Pkt. 1.3; 1.4 HOAI
- Geotechnik einschließlich Planungsleistungen baustofftechnologische Bestandsuntersuchungen
- Ingenieurvermessung
Weitere Leistungen:
- Besondere Leistungen wie "Denkmalgerechte Bestandsdokumentation", "Baustofftechnologische Gutachten", "Bauzustands- und Sanierungsgutachten", "Bedarfsplanung nach DIN 18205", "Örtliche Bauüberwachung" und weitere Besondere Leistungen gem. Ingenieurvertrag
- Leistungen nach Baustellenverordnung
B: Eine losweise Ausschreibung der Generalplanungsleistungen ist nicht vorgesehen.
C: Auf der Grundlage des abzuschließenden Ingenieurvertrages ist eine optionale stufenweise Vergabe der Planungsleistungen für alle Schleusenbauwerke gesamt wie folgt geplant:
- Planungsstufe 1: Bedarfsplanung nach DIN 18205, HOAI Leistungsphase (Lph.) 1-2, einschl. Planung / Gutachtenerstellung Geotechnik, Planung / Gutachtenerstellung baustofftechnologische Bestandsuntersuchung, Planung / Durchführung denkmalgerechte Bestandsdokumentation, Planung / Durchführung Ingenieurvermessung
- Planungsstufe 2: HOAI Lph. 3
- Planungsstufe 3: HOAI Lph. 4 bis 7
- Planungsstufe 4: HOAI Lph. 8 einschl. Örtliche Bauüberwachung, Koordination nach Baustellenverordnung und HOAI Lph. 9
E: Zunächst wird nur die Planungsstufe 1 beauftragt. Die Beauftragung der weiteren Planungsstufen 2 bis 4 erfolgt optional. Die Beauftragung der Planung ab Planungsstufe 3 ist zudem abhängig von der Sicherung der Gesamtfinanzierung.
F: Mit dem Angebot ist vom Bieter ein Konzept mit folgenden Inhalten einzureichen:
a) Darstellung Projektorganigramm und -organisation für alle laut Vertragswerk zu beauftragenden Leistungen
Folgende Punkte sollten mindestens enthalten sein:
- Projektinternen Organisation der Planungsabläufe
- Werkzeuge für den Datenaustausch
- Erläuterungen zur Schnittstellenbestimmung und -kontrolle
- Darstellung über die Art und Weise der Dokumentation des Planlaufs
- Erläuterung zur Durchführung der Qualitätssicherung/ -kontrolle
b) bei einem Angebot einer Bietergemeinschaft, die Darstellung der Zusammenarbeit in der Bietergemeinschaft
c) bei einem Angebot, welches die Einbindung von Nachauftragnehmern vorsieht - Darstellung der Zusammenarbeit mit den Nachauftragnehmern
Erläuterung zu a) bis c): Es wird erwartet, dass der Bieter die Projektorganisation verbal beschreibt und schematisch darstellt. Für den Auftraggeber müssen die personelle Aufgabenzuordnung, inhaltliche Aufgabenverantwortlichkeiten, Entscheidungen und Schnittstellen nachvollziehbar und für die Aufgabenerfüllung geeignet sein. Der Kommunikationsweg mit dem Auftraggeber muss deutlich dargestellt werden.
d) Konzept zum Planungs- und Bauablauf
Folgende Punkte sollen mindestens enthalten sein:
- Grobablaufplan für Planung und Bau, Darstellung der Reihenfolge der Maßnahmen unter Beachtung des Zeitrahmens und der Schnittstellen
- Methoden zur Kosten- und Termineinhaltung
- Terminplan mit Meilensteinen von der Auftragserteilung bis zur VOB-Abnahme
- Beschreibung der Möglichkeiten der Organisation der Bauabläufe, so dass während der Baumaßnahmen weitestgehend eine wassertouristische Nutzbarkeit des Finow-kanals erhalten bleiben kann
Erläuterung zu d) Der Auftraggeber erwartet eine direkte praktische Projektbezogenheit. Der Planungs- und Bauablauf muss realistisch und zielorientiert dargestellt werden. Die Prämissen zur Qualitätssicherung sowie zu den zu ergreifenden Maßnahmen betreffs der Kosten- und Termineinhaltung müssen nachvollziehbar dargestellt werden. Mögliche Problemlagen sollen benannt und Lösungsvorschläge dargestellt werden.