Das Forschungsschiff Ludwig Prandtl wird vom Helmholtz-Zentrum Geesthacht (HZG) betrieben und ist für die Forschungsarbeiten des HZG und seiner Partner in Nord- und Ostsee von zentraler Bedeutung. Sie wurde 1983 gebaut, 2002/2003 verlängert und war im Durchschnitt der Jahre 2013 bis 2019 etwa 225 Tage pro Jahr im Einsatz.
Bedingt durch das Alter wird der Ersatz durch einen Neubau notwendig ("Ludwig Prandtl II"), der - wie bisher - komplementär zu den anderen Küstenforschungsschiffen in Deutschland geplant ist und einen Einsatz im gesamten Bereich von Flüssen, im Flachwasserbereich der Ästuare und des Wattenmeeres bis zum tiefen Wasser erlaubt. Daraus ergeben sich spezifische Anforderungen an den Tiefgang, die Schiffshöhe und die Hochseetauglichkeit. Der Einsatz von Schlauch- und Bereitschaftsbooten von Bord des Schiffes erweitert das Einsatzspektrum, insbesondere beim Einsatz des Neubaus bei Multi-Plattform Experimenten. Die Ludwig Prandtl II soll ein weites, interdisziplinäres Spektrum der Küstenforschung, Werkstoffforschung und Polymerforschung abdecken und damit vielfältig vom HZG und Partnern für Forschung und Lehre eingesetzt werden können.
Mit dieser Ausschreibung wird ein Generalplaner gesucht, der die Planung für den Neubau der Ludwig Prandtl II mit allen erforderlichen Anlagen erstellt und nach Abschluss der Planung die Bauüberwachung übernimmt.
Weitere Einzelheiten enthält die Leistungsbeschreibung, die bereits als Entwurf im Teilnahmewettbewerb zur Verfügung steht. Die Einzelheiten der Leistungsbeschreibung können sich im weiteren Verfahren noch ändern.
Folgende gewünschte Alleinstellungsmerkmale wurden für den Nachfolgebau der Ludwig Prandtl II formuliert und in einer Machbarkeitsstudie konzipiert, um eine klare Positionierung der Einsatzmöglichkeiten des Schiffes für die Forschungsgemeinde innerhalb der Gesamtflotte der deutschen Forschungsschiffe zu bieten:
- Einsetzbar bis an den Schelfrand, in flachen Gewässern und in Flüssen. Der derzeitige Tiefgang der Ludwig Prandtl von max. 1,70 m bei voller Beladung darf nicht überschritten werden;
- Die Geschwindigkeit von 12 kn muss bei moderaten Wind- und Seegangsverhältnissen, die im Rahmen der Planungsphase zu spezifizieren (Berechnung und Schleppversuch) sind, sicher erreicht werden. Dies stellt eine Erweiterung des Einsatzgebietes bei Tagesfahrten dar.
- Separate Nass- und Elektroniklabore;
- Deckplatz für Container (max. 20 ft) oder für 2 zusätzliche Schlauchboote bzw. 1 Container und 1 zusätzliches Schlauchboot; variable Fixpunkte
- Faltkran mit min. 5t Hebegewicht für das Verladen von Containern, Brennstoffzellen und Tanks für Wasserstoff (Verladung in das Wasserstoffsystemlabor)
- A-Rahmen am Heck, sowie seitlicher Kran/L-Rahmen für das Einsetzen von Messgeräten; flexible seitliche Winde/kleiner Kran für Spezialanwendungen (z.B. kontaminationsfreie Probenahme) (Spezifikation ist noch festzulegen)
- Kostenoptimierter Betrieb des Schiffes durch Diesel-Elektrischen-Antrieb mit Power-Management-System (intelligente Schalttafel mit Überprüfung der Leistungsreserven und aktueller Leistungsaufnahme);
- Integration einer zeitweisen Versorgung des Bordstromnetzes sowie des Antriebs über Brennstoffzellen, wobei auch neue, bei HZG entwickelte Metallhydridtanksysteme unter realen Bedingungen erprobt werden sollen. Im Vordergrund steht dabei die Erprobung von Wasserstoff basierten Energieversorgungssystemen. Für die Ladeluftaufbereitung beispielsweise des Hafendiesels sollen Membranmodule eingesetzt werden, die derzeit von der Polymerforschung bei HZG entwickelt werden. Der anfallende sauerstoffangereicherte Strom kann den Brennstoffzellen zugeführt werden, umso deren Leistung zu steigern und zusätzliche Synergieeffekte auszunutzen.
- Im Bereich der Abgasführung sollten ausreichend große Platzreserven eingeplant werden, um hier im Bereich der Abgasaufbereitung verschiedene Systeme und Materialien zu testen.
- Die Anforderungen für den Blauen Engel oder mindestens Gleichwertig - (RAL-ZU 141) "Umweltschonendes Schiffsdesign" müssen erfüllt werden. Weitere Ausstattungsmerkmale, wie beispielsweise ein detailliertes Batteriekonzept, sollen in der Planungsphase geprüft werden.
- Zulassung als Binnenschiff (SUK-Abnahme).
Weitere Einzelheiten enthält die Leistungsbeschreibung, die bereits als Entwurf im Teilnahmewettbewerb zur Verfügung steht. Die Machbarkeitsstudie wird den ausgewählten Bietern nach Abschluss des Teilnahmewettbewerbs zur Verfügung gestellt. Die Einzelheiten der Leistungsbeschreibung können sich im weiteren Verfahren noch ändern.