Das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) beabsichtigt, im Rahmen eines Verhandlungsverfahrens mit Teilnahmewettbewerb gem. § 119 GWB i. V. m. § 14 Abs. 3 Nr. 3 VgV die Prozessbegleitung zur „Umsetzung der Jugendstrategie der Bundesregierung und Weiterentwicklung mit einem Nationalen Aktionsplan für Kinder- und Jugendbeteiligung" zu vergeben.
Hintergrundinformation
Die Jugendstrategie der Bundesregierung mit dem Titel: „In gemeinsamer Verantwortung: Politik für, mit und von Jugend“ basiert auf dem Konzept der Eigenständigen Jugendpolitik. Sie wurde ressortübergreifend und mit Beteiligung junger Menschen und Zivilgesellschaft entwickelt und am 03. Dezember 2019 vom Kabinett beschlossen. Zur Umsetzung wurden die Interministerielle Arbeitsgruppe (IMA) Jugend und der jugendpolitische Beirat des BMFSFJ zur Einbindung von Jugend und ihren Interessensvertretungen sowie Zivilgesellschaft eingesetzt.
Gemäß Koalitionsvertrag für die 20. Legislaturperiode wird die Jugendstrategie der Bundesregierung mit einem Nationalen Aktionsplan (NAP) für Kinder- und Jugendbeteiligung weiterentwickelt. Damit wird ein Schwerpunkt daraufgelegt, junge Menschen an den sie betreffenden Entscheidungen zu beteiligen. Ein NAP für Kinder- und Jugendbeteiligung bedeutet, über den Fokus der Jugendstrategie hinaus auch die Zielgruppe „Kinder“ sowie die staatlichen Ebenen „Länder und Kommunen“ in den Blick zu nehmen.
Die Einbindung von Jugend und ihren Interessensvertretungen sowie Zivilgesellschaft wird insbesondere durch den jugendpolitischen Beirat des BMFSFJ erfolgen, in dem auch Kommunen und Länder mitwirken. Der Beirat wird den geplanten Dialogprozess zum NAP mit Bund, Ländern und Kommunen aktiv mitgestalten sowie das BMFSFJ bei der Weiterentwicklung der Jugendstrategie und der ressortübergreifenden Zusammenarbeit konzeptionell-strategisch beraten.
Die IMA Jugend unter Federführung des BMFSFJ dient dazu, die ressortübergreifende Zusammenarbeit im Bereich Jugendpolitik zu stärken. Die IMA wird die Umsetzung der Jugendstrategie sowie die Entwicklung des NAP begleiten, ressortspezifische Perspektiven einbringen und neue thematische Schwerpunkte setzen.
Nach einer bundesweiten Kick-Off Veranstaltung zum NAP für Kinder- und Jugendbeteiligung am 14. und 15. November 2022 startet der gut einjährige Dialogprozess mit regionalen zielgruppen- bzw. themenspezifischen Dialogforen und Denkfabriken zur Erarbeitung von Handlungsempfehlungen zur Stärkung der Beteiligung von Kindern und Jugendlichen z. B. in Kita, Schule, Jugendarbeit sowie Politik und Verwaltung. Kinder und Jugendliche sollen bei allen Veranstaltungen stets direkt beteiligt werden; zusätzlich richten sich einzelne Formate, z. B.: Jugendaudits gezielt an bestimmte Gruppen junger Menschen (insb. schwer erreichbare/marginalisierte Gruppen junger Menschen bzw. Gruppen mit besonderen Bedarfen).
Ein regelmäßiger Austausch von Bundesregierung und jungen Menschen über aktuelle jugendpolitische Herausforderungen wird insbesondere im Rahmen der Bundesjugendkonferenzen in 2024 und 2026 fortgeführt. Im Rahmen des dynamischen Prozesses können weitere Beteiligungsformate entstehen bzw. entwickelt werden.
Für die Umsetzung der Jugendstrategie der Bundesregierung und Weiterentwicklung mit einem NAP für Kinder- und Jugendbeteiligung ist eine externe Begleitung notwendig. Die Aufgaben der Prozessbegleitung umfassen die fachliche, administrative und konzeptionell-strategische Unterstützung und Begleitung der Kommunikation, Planung und Steuerung des Prozesses.
Als voraussichtlicher Auftragsbeginn ist der 01. April 2023 vorgesehen.
Auftragsgegenstand ist die Begleitung des Prozesses zur Umsetzung der Jugendstrategie der Bundesregierung und Weiterentwicklung mit einem NAP für Kinder- und Jugendbeteiligung. Die nachfolgende detaillierte Übersicht bildet die inhaltlichen und organisatorischen Aufgaben ab, die von der Auftragnehmerin bzw. dem Auftragnehmer zwingend vorzusehen und umzusetzen sowie entsprechend finanziell über Module zu budgetieren sind.
1. Organisatorische und inhaltliche Begleitung der IMA Jugend: Organisation, Durchführung und Nachbereitung von Sitzungen der IMA (quartalsweise, ca. 15-20 Teilnehmende, Berlin/Bonn, ggfs. digital/hybrid)
2. Organisatorische und inhaltliche Begleitung des jugendpolitischen Beirats des BMFSFJ zur Jugendstrategie: Organisation, Durchführung und Nachbereitung der Sitzungen des Beirates des BMFSFJ (quartalsweise, ca. 25 Personen, Berlin, ggfs. digital/hybrid), Angebotseinholung Catering, ggf. Übernahme von Reisekosten für einzelne Teilnehmende
3. Organisation, Durchführung und Nachbereitung von referats- und abteilungsübergreifenden Beratungen im BMFSFJ (quartalsweise, ca. 15-20 Teilnehmende, Berlin/Bonn, ggfs. Digital/hybrid)
4. systematisches Monitoring und Erfassung jugendpolitischer Aktivitäten der Bundesregierung
5. Erstellung von Berichten zur Vorlage an Hausleitung, Gremien, Öffentlichkeit
6. praxisbezogene Dokumentation der Aktivitäten der Jugendstrategie, des NAPs und der Prozessergebnisse (keine Evaluation)
7. Konzeption und Durchführung von verschiedenen Dialog- und Beteiligungsformaten unter Beachtung heterogener Zielgruppen aus Kindern, Jugendlichen, Zivilgesellschaft, Politik und Verwaltung. Da es sich hierbei um einen dynamischen Prozess handelt, können aktuell nicht alle Veranstaltungen, die im Rahmen der Prozessbegleitung umgesetzt werden sollen, abschließend beschrieben werden. Nach aktuellem Planungsstand sollen folgende Veranstaltungen umgesetzt werden:
a. In 2023 bis zu vier regionale zielgruppen- bzw. themenspezifischen Dialogforen (halb-/ganztägig) und bis zu sechs Denkfabriken (ein-/mehrtägig) im Rahmen des Dialogprozesses zum NAP für Kinder- und Jugendbeteiligung für 50 bis ca. 150 Teilnehmende als Präsenzveranstaltung; Angebotseinholung Catering, Technik, etc.; Locationscouting; ggf. Unterbringung und Reisekosten der Teilnehmenden
b. Die Bundesjugendkonferenz in 2024 und 2026 (zweitägig) mit 200 Teilnehmenden als Präsenzveranstaltung; Angebotseinholung Catering, Technik, etc.; Locationscouting; ggf. Unterbringung und Reisekosten der Teilnehmenden.
c. Jährlich bis zu 4 Jugendaudits mit 20-50 Teilnehmenden als Präsenzveranstaltung zur gezielten Ansprache bestimmter Gruppen junger Menschen, insb. von schwer erreichbaren/marginalisierten Gruppen junger Menschen bzw. Gruppen mit besonderen Bedarfen; Angebotseinholung Catering, Technik, etc.; Locationscouting; ggf. Unterbringung und Reisekosten der Teilnehmenden.
d. Jährlich eine Veranstaltung für bis zu 200 Teilnehmende als Präsenzveranstaltung; Angebotseinholung Catering, Technik, etc.; Locationscouting; ggf. Unterbringung und Reisekosten der Teilnehmenden
e. Zusätzliche Online-Konsultationen, bei entsprechend angezeigten Bedarfen, erfolgt in enger Abstimmung mit der Auftraggeberin. Ggf. Entwicklung geeigneter, innovativer Veranstaltungsformate, die eine aktive zielgruppengerechte Beteiligung ermöglichen und sicherstellen
f. Einladungsmanagement, Teilnehmendenmanagement, Nachbereitung
g. Dokumentation (Video, Foto, Texte)
Nach aktuellem Planungsstand sollen die Veranstaltungen in Präsenz oder als hybride Veranstaltung stattfinden. Wenn die pandemische Lage es erfordert, sind die Veranstaltungen jedoch zwingend in digitaler Form inklusive der technischen Umsetzung durchzuführen. Dies ist in der Kostenkalkulation entsprechend einzuplanen und die durch die digitale Durchführung ggfs. entstehende Mehrkosten sind gesondert aufzuführen.
Optional:
Da es sich, wie oben beschrieben, um einen dynamischen Prozess handelt, können sich darüber hinaus weitere Veranstaltungsformate entwickeln, die umgesetzt werden sollen.
8. Öffentlichkeitsarbeit:
a. Ggf. Weiterentwicklung des Corporate Designs (Wort-Bild-Marke/Schriftbild/Farbkonzept)
b. Erstellung von Werbemitteln
c. Aufbereitung zielgruppenspezifischer Informationen, Broschüren, Flyer etc. in enger Abstimmung mit dem Fachreferat und der Öffentlichkeitsarbeit des BMFSFJ
d. Präsentation der Jugendstrategie inkl. NAP bei öffentlichkeitswirksamen Aktivitäten des BMFSFJ (wie z.B. dem Tag der offenen Tür der Bundesregierung im BMFSFJ)
e. Hosting, Betreuung, Weiterentwicklung und Pflege der Online-Plattform zur Jugendstrategie inkl. Erstellung und Versand von Newslettern
f. Einbindung der Jugendredaktion „jung genug“
9. Erstellung eines Abschlussberichts zum NAP Dialogprozess in einer zur Veröffentlichung geeigneten barrierefreien Form sowie Vorbereitung von Beschlussvorlagen für Kabinett- und JFMK-Befassung
Optional:
Unter https://jugendbudget.de/ sind Informationen zum Pilotvorhaben „Jugend-Budget“ zu finden. Hieran anknüpfend soll ggf. das Jugend-Budget für die 20. Legislaturperiode von der Auftragnehmerin bzw. dem Auftragnehmer in enger Abstimmung mit dem Fachreferat umgesetzt werden, inkl. Öffentlichkeitsarbeit, bundesweitem Ideen-Hackathon und Auswahlprozess der Projektideen, Umsetzung der 10 Siegerprojektideen im Rahmen von Weiterleitungsverträgen und Finanzadministration mit jeweils 100.000 € pro Projekt auf Grundlage der Richtlinien des Kinder- und Jugendplans des Bundes sowie die organisatorische Begleitung und inhaltlich-fachliche Gestaltung der Projekte.